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Die selbsterfüllende Prophezeiung

Die selbsterfüllende Prophezeiung

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Wer daran glaubt, etwas erreichen zu können, erhöht dadurch tatsächlich seine Chancen. Genau in dieser Einfachheit liegt die große Stärke von selbsterfüllenden Prophezeiungen. Um von ihnen zu profitieren, ist kein großer Aufwand nötig, keine Vorbereitung und auch kein Verständnis für eine komplexe Theorie.

Umgekehrt eingesetzt, wirkt die die Methode natürlich auch, denn wenn ich eine Aussage nur lange genug wiederhole, dann glaube ich am Ende auch daran und beeinflusse das Ergebnis nachhaltig. Dies gilt sowohl für positives Denken, als auch für negative Thesen.

Anlass für diesen Gedanken gibt mir der aktuelle Ausbildungsreport 2019 des DGB.

Wieder einmal wird der schönsten Branche der Welt bestätigt, dass sie ihre Auszubildenden „missbraucht“ und die wunderbaren Berufe Koch/Köchin und Hotelfachmann/-frau landen in der Kategorie der unbeliebtesten Ausbildungsberufe.

Die Gründe dafür sind vielschichtig und treffen bei weitem nicht auf die gesamte Branche zu, aber leider hört die öffentliche Betrachtung an dieser Stelle auf. Die Schlagzeile bestätigt einer gebeutelten Branche „schlecht“ zu sein und am Ende wird das sogar geglaubt. Nun weiß ich aus eigener Erfahrung in mehreren Hundert Betrieben, dass es tatsächlich beratungsresistente  Holzköpfe gibt, aber diese nur einen Bruchteil ausmachen. Die deutliche Mehrheit der Arbeitgeber geht sorgsam und interessiert mit ihren Auszubildenden um, weil sie genau wissen, dass dieser Nachwuchs die Existenz des eigenen Betriebes sichert. Nur leider redet darüber niemand. Warum?

Ganz klar, der Unternehmer, der so handelt, glaubt, dass dies völlig normal sei und deshalb keiner besonderen Würdigung bedarf. Das ist aber ein Irrglaube, weil so den negativen Beispielen eine Reichweite gegeben wird, die sie nicht verdienen. In Zeiten einer viralen medialen Verbreitung von Nachrichten, überlassen wir den Berichten über die „schwarzen Schafe“  das Feld, ducken uns weg und sind am Ende überrascht, dass wir keine Auszubildenden mehr finden.

Bilden Sie aus?

Wann haben Sie das letzte Mal mit Ihren Mitarbeitern eine ähnliche Umfrage gemacht? Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen? Und welche Maßnahmen haben Sie aus den Ergebnissen entwickelt?

Der DGB-Report kommt zu dem Ergebnis, „ dass im Einzelhandel wie im Bereich des Hotel- und Gaststättengewerbes erhebliche Anstrengungen notwendig sind, um diese Ausbildungsberufe für junge Menschen attraktiv zu machen.“

Erhebliche Anstrengungen? Was denn noch? Jetzt sind wir eingedeckt mit HACCP, DSGVO, MiLoG, Kassenschau und weiteren bürokratischen Hürden und jetzt sollen wir uns auch noch um die Ausbildung kümmern?

Ja! Und es sollte Ihnen leicht fallen, denn es ist die Investition in Ihre unternehmerische Zukunft. Wir arbeiten in einem Umfeld, in dem der Kontakt von Menschen zu anderen Menschen ausschlaggebend für den Erfolg ist. Der Industriemechaniker kann das Werkstück mal zur Seite legen und arbeitet morgen weiter daran. Das geht in unserer Branche leider nicht, denn die Erwartungen sind andere. Hier geht es um Einfühlungsvermögen, darum den richtigen Geschmack zu treffen und anderen Menschen das Gefühl zu vermitteln, willkommen zu sein.

Der DGB-Report stellt klar: „Nach wie vor gilt der Grundsatz: Je größer der Betrieb, desto höher die Zufriedenheit der Auszubildenden. Das gute Abschneiden von großen Betrieben kann auf der einen Seite durch gute personelle und materielle Voraussetzungen begründet werden, mit denen eine strukturierte und qualitativ hochwertige Ausbildung gewährleistet werden kann.“ ….“Klein- und Kleinstbetriebe hingegen stehen oft vor der Herausforderung, mit wenig Personal flexibel auf Angebot und Nachfrage reagieren zu müssen.“

Für mich heißt das, dass in großen Betrieben viele Menschen in die Ausbildung eingebunden werden und dadurch der Anteil für den Einzelnen kleiner wird. Dadurch kann sich jeder intensiver auf Teilbereiche konzentrieren und das Ergebnis wird wahrscheinlich besser.  In Klein- und Kleinstbetrieben steht und fällt die Ausbildung mit dem/der einen Ausbilder/-in, die in den meisten Fällen auch noch Inhaber/-in ist. Hier liegt die große Chance, denn die Leidenschaft, mit der diese Menschen ihre Aufgabe erledigen überträgt sich auf die Umgebung. Im Klartext: Wenn ich jeden Tag gut gelaunt und mit Freude zu Werke gehe (auch wenn mir manchmal nicht danach ist), dann wird mein Umfeld positiv gestimmt.  In einem positiv gestimmten Umfeld zu arbeiten motiviert und führt zu einer deutlichen Leistungsverbesserung aller Beteiligten. Und gut gelaunte Menschen ziehen ebensolche an, seien es nun neue Mitarbeiter oder auch neue Gäste.  Sie haben die Wahl.

Nun stellt der Ausbildungsreport auch fest, dass „gut ein Fünftel der Auszubildenden (22,2 Prozent) machte seine Ausbildung allerdings in einem Beruf, der eigentlich nicht geplant war. 7,3 Prozent bezeichneten ihren Ausbildungsberuf gar als eine »Notlösung«.“

Und diese Auszubildenden finden sich natürlich nicht bei den Zerspanungstechnikern oder Industriekaufleuten, sondern dort, wo es „vermeintlich schlecht“ ist. Jetzt haben wir also Menschen, die den Job eigentlich gar nicht machen möchten, die Vorteile noch gar nicht erkannt haben und von ihrem Umfeld ständig damit konfrontiert werden „ausgebeutet“ zu werden. Toll, denn nun sind Sie wieder gefragt, als einfühlsamer Motivator, mit Verständnis und klaren Vorgaben. Als verlässlicher Partner auf dem Weg, das Leben des Auszubildenden sinnvoll zu entwickeln. Partnerschaftlich auch im Umgang mit dem familiären Umfeld, der Schule und den weiteren Mitarbeitern im Betrieb. Sie sind das Vorbild, für alle die in ihrem Betrieb arbeiten. Sie bestimmen, durch ihr Auftreten, welche Sprache gesprochen, welche Wertschätzung entgegenbracht und welche Ziele verfolgt werden. Sie haben die Wahl.

Schwierig wird es  bei der begleitenden schulischen Unterstützung der Ausbildung, denn der Report sagt, „dass die Zufriedenheit der Auszubildenden mit der Berufsschule durchgängig deutlich hinter der betrieblichen Zufriedenheit zurückbleibt. Eine große Schwachstelle bilden, wie bereits angedeutet, die infrastrukturellen Rahmenbedingungen. Eine zeitgemäße Ausstattung der Berufsschulen mit Unterrichtsmaterial, Schulbüchern, technischen Geräten und Ähnlichem ist ebenso wichtig wie ausreichend Personal, das einen regelmäßigen Berufsschulunterricht in sinnvollen Klassengrößen ermöglicht und damit maßgeblich zum Lernerfolg beiträgt.“ Auch hier sehe ich eine große Chance, sich als engagierter Arbeitgeber zu positionieren und im Gespräch mit den Bildungseinrichtungen nach Lösungen zu suchen.

Digitalisierung, ist ein weiteres Entwicklungsfeld, welches der Report aufzeigt. Hier geht nicht nur um den professionellen Umgang mit den vertrauten digitalen Hilfsmitteln am Front-Office (PC) oder im Restaurant (POS, Orderman, etc.), sondern auch in der Küche beim Einsatz digitalen Hilfsmitteln bei Kalkulation und Produktion. Nur wer selbst am Ball bleibt und sich aktiv informiert und weiterbildet, wird in der Lage sein, an dieser Stelle optimal aufzutreten. Alles, was hilft, Arbeitsprozesse zu verschlanken und die Mitarbeiter zu entlasten, dient der Stärkung der Gastbeziehung und damit dem Erfolg des Unternehmens. Sie haben die Wahl.

Apropos engagierter Arbeitgeber, deutlich gestiegen ist  der Anteil derer, die nach der Ausbildung im selben Betrieb eine unbefristete Arbeitsstelle bekommen haben. 71,5% der Befragten wurden übernommen (+6,9 Prozentpunkte). Darin liegt die Chance, dauerhaft für einen Zustrom von, bereits mit den Unternehmenswerten vertrauten, Mitarbeitern zu sorgen.

Diese Aufgabe ist so wertvoll für unsere Gesellschaft, dass wir sie viel öfter, öffentlich machen müssen!

Wir haben die Wahl.

Herzliche Grüße, Götz